Elektromobile aus Saas Fee und Zermatt
Die Schweizer Automobilindustrie? Das war einmal, mit PicPic, Martini, FBW und Saurer und auf der edlen und schnellen Seite Monteverdi. Aber sonst? Es gibt sie noch und zwar ausgerechnet in autofreien Orten. Saas Fee und Zermatt, obwohl autofrei, haben ihre eigenen Fahrzeughersteller.
Von Andres Schwander*
Wenn man in Zermatt aus dem Zug steigt sind sie nicht zu übersehen: Hoteltaxis und Warentransporter auf dem Bahnhofplatz, alle elektrisch und die meisten aus einheimischer Produktion. Die Hersteller sind die beiden einheimischen Firmen Stimbo mit Eigentümer Stefan Imboden und die Jumbo-Garage die im Dorf Fahrzeuge namens Jumbolino baut und vertreibt. In Saas Fee ist es die Garage Bolero, die früher anderswo gebaute Fahrzeuge verkauft hat und seit ein paar Jahren ebenfalls selber Elektromobile baut.
Wie schon früher bei Monteverdi in Binningen sind die Produktionszahlen winzig und die Preise astronomisch. Stimbo ist nach jahrzehntelanger Arbeit bei der Seriennummer 175 angekommen. Bolero und Jumbo bauen zwischen zwei und fünf Autos pro Jahr, zu Preisen nahe an sechsstelligen Zahlen oder darüber. Alle Hersteller bauen Personenwagen, Lieferwagen und Lastwagen. Denn in den beiden Dörfern geht ausser Schneeräumen und Müllabfuhr alles elektrisch. Ob Sand für die Baustelle, Milch für den Coop, Heizöl fürs Chalet oder Gäste ins Wellnesshotel, alles wird mit dem Elektrofahrzeug transportiert. Die Geschwindigkeitslimite ist 30 Kilometer pro Stunde auch wenn sie bisweilen schneller unterwegs sind, die maximale Breite 130 Zentimeter, für Lastwagen mit Kipper 140 Zentimeter. So wollen es die lokalen Verkehrsverordnungen, die rigoros durchgesetzt werden.
Paradedisziplin aller Hersteller sind die Hoteltaxis, sauber verarbeitet mit sorgfältig gestaltetem Interieur sitzt man zu sechst einander gegenüber wie im Zug, mit eingezogenen Schultern weil das Fahrzeug so schmal ist. Gepäck findet hinten über dem Motor Platz, oder auf dem Dach, Skis und Snowboard in den entsprechenden Halterungen hinten am Fahrzeug. Die Elektromobile sind sehr kompakt und sobald man sich an ihren Anblick gewöhnt hat beginnt man sich zu fragen, weshalb denn normale Autos zum Transport von gleich viel Personen und Gepäck so viel grösser sein müssen.
In Zermatt und Saas Fee ist man stolz auf die eigene "Autoindustrie". "Die Fahrzeuge sind gut", heisst es, "Sie werden sogar exportiert, ins Wallis und in die Üsserschwyz", wie hier die Welt ausserhalb des Rhonetals heisst. Allerdings ist der Export nur sporadisch und bei Gelegenheit, der grosse Bedarf ist zu hause und Stimbo hat sich sogar in eine neue Branche vorgewagt. Als das Hotel Riffelalp in Zermatt das vor Jahrzehnten abgerissene Riffelalptram wieder aufbaute, einstmals die höchstgelegene Tramlinie der Welt, hat Stefan Imboden den Batterieantrieb dazu geliefert.
* Andreas Schwander ist Autor des Buches "Reisen zu autofreien Orten der Schweiz"

