Preda
PremiumPorträt
- Einwohner: ca. 30
- Gästebetten: ca. 150
- M.ü.M.: 1'800
- Anreise: im Winter nur per Zug
- Website: http://preda.ch/
Der Bahn- und Schlittelklassiker
Von Andreas Schwander
„Gruss aus der Zukunftsstadt Preda" verkündet eine alte Postkarte, die das Hotel Kulm und die Bauarbeiten am Albulatunnel zeigen. Und wenn man in Spinas in den Zug einsteigt und in Preda wieder aussteigt, dann vermittelt der Albulatunnel tatsächlich das Gefühl einer Fahrt mit der Metro in Paris oder Moskau. Doch das ist dann auch alles städtische was Preda zu bieten hat. Es sieht noch fast genau so aus wie auf jener Postkarte. Es gibt etwa sechs Häuser, von denen einige auch vermietet werden, das Hotel Kulm mit 40 Betten in Zweierzimmern und die vegetarische Pension Sonnenhof.
Preda ist nur im Winter Autofrei. Im Sommer gibt es ziemlich viele Autos. Der Albulapass ist neben dem Flüela und dem Julier einer der drei nördlichen Strassenzubringer ins Engadin. Doch im Winter ist die Strasse gesperrt und wird zu dem was Preda in der ganzen Schweiz berühmt und bisweilen auch berüchtigt gemacht hat: Zur Schlittelbahn Preda - Bergün.
Die Bahn ist der grosse Schlittelklassiker der Schweiz. Schon vor dem ersten Weltkrieg wurde die Albulastrasse während der Wintersperre jeweils für den Wintersport hergerichtet, ursprünglich allerdings als Bobbahn, auf der mit riesigen Sechserbobs gefahren wurde. In den letzten Jahren wurde hin und wieder zusammen mit Gästen aus England das Strassenstück vom Palpuogna-See bis zum Hotel Kulm als Bobbahn hergerichtet. Doch um die Bobahn jeden Winter betreiben zu können wären jedes Jahr rund 60 000 Franken nötig gewesen und davor schreckte die Gemeinde Bergün zurück. Denn auch der Betrieb der Schlittelbahn ist aufwändig. Die Bahn wird jedes Jahr sorgfältig präpariert, mit Brettern gesichert damit Schlittler und Schlittlerinnen mit mangelhaften Steuerkünsten nicht über die Kurven hinaus donnern, und nachts beleuchtet.
Ihren Reiz und ihre Berühmtheit verdankt die Schlittelbahn vor allem auch der Rhätischen Bahn. Zum einen begegnet man als Schlittler der Eisenbahn und ihren Spektakulären Viadukten während der ganzen Fahrt nach Bergün immer wieder und zum andern schaufelt die RhB während den 90 jährlichen Betriebstagen der Schlittelbahn zwischen 120 000 und 150 000 Schlittler nach Preda. Die Schlittelzüge sind aber auch für Eisenbahnfans ideal. Sie können damit zwischen Preda und Bergün ausschliesslich auf dem spektakulärsten Streckenstück der RhB hin- und herfahren. Im Sommer gibt es zudem einen Bahnlehrpfad und das alte Zeughaus unmittelbar neben dem Bahnhof in Bergün soll zu einem Bahnmuseum umgebaut werden. Ein braunes, elektrisches Schmalspurkrokodil aus den 20er Jahren steht schon da. Doch auch wer sich weder für Schlittel- noch Eisenbahnen erwärmen kann ist in Preda gut aufgehoben.
Der Ort ist ideal aus Ausgangspunkt für Ski- und Schneeschuhtouren. Die Auswahl der Varianten ist so gross, dass man während einer Woche nie am gleichen Ort vorbei kommt. Weil sich Preda sich unmittelbar an der Wasser- und Wetterscheide zwischen Nord und Süd befindet, ist die Chance gut, dass auf der einen oder andern Seite des Albula die Sonne scheint. Zu den Skigebieten von Celerina und Bergün sind es mit dem Zug jeweils 19 Minuten, zum Baden nach Alvaneu nur unwesentlich länger. Und wer in der Umgebung von Preda bleibt, wird sehr bald einmal zum Palpuogna-See finden, einem der wohl schönsten Bergseen der Schweiz. Zum Glück ist nichts geworden aus der Zukunftsstadt.
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Anreise: Mit der Rhätischen Bahn ab Samedan, Bever oder Chur, Thusis.
Ausflugsmöglichkeiten: Albulatal, Bad Alvaneu, Palpuogna-See, Bahnlehrpfad nach Bergün. Ausgedehntes Wanderwegnetz, ideal für Ski- und Schneeschutouren im Winter. Nahe Skigebiete im Engadin und in Bergün. Schlittenvermietung in Preda und in Bergün. Im Sommer Trottinettvermietung für die Talfahrt auf der Passtrasse nach Bergün.
Besonderes: Schlittlerzüge in der Nacht und Schlittenvermietung in Bergün und Preda.
Stille und Verkehr: Autofrei nur im Winter. Ansonsten liegt Preda an der Albulapassstrasse, die vor allem bei Motorradfahrern beliebt ist. Doch im Winter ist es sehr still, die Bahn ist kaum zu hören.

