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Zwischensaison: Ein Palast für sich allein

"Für mich und die Mäuse" soll Zarin Katharina die Grosse gesagt haben, als man sie gefragt hat, für wen sie denn den gewaltigen Winterpalast in St. Petersburg gebaut habe. Die Aussage mag überheblich klingen, doch bisweilen hat es seinen Reiz, schöne Dinge allein und nicht in grossen Herden zu geniessen.

Von Andreas Schwander*

Und dann stellt sich die Frage immer nach der besten Reisezeit. Ja wann ist sie denn, die beste Reisezeit? Wenn das Wetter am wärmsten, Wasserfälle am spektakulärsten, die Blumen am farbigsten sind? Dann wenn es die gescheiten Reiseführer und Ferienbroschüren empfehlen oder einfach dann wenn alle Leute da sind? Wenn man vor lauter Fotoapparaten den Berg nicht mehr sieht und die Mobiltelefone der Touristen den Bergbach übertönen?

Reizvoll ist's vor allem auch dazwischen. Die Jungfrau oder der Lago Maggiore sind auch anfangs Mai oder Ende Oktober da, der Bergfrühling ist in den Bündner Südtälern anfangs Juni am spektakulärsten, der Schnee ist auf der Alpensüdseite schon im März weg und die Sonne alleweil für einen Sonnenbrand gut.

Wenn man schon die Ruhe eines Ortes mit wenig Verkehr und keinen Autos sucht, ist die beste Reisezeit oft die Zeit zwischen den Reisezeiten. Viele Orte betreiben heute einen beträchtlichen Aufwand dafür, dass dem Gast zu allen Jahreszeiten etwas geboten wird. Bergbahnen und Museen bleiben geöffnet, man kann auch im November warm eingehüllt in der Sonne sitzen und die überall aus dem Boden sprudelnden Wellnessangebote sind ohnehin saisonunabhängig.

Und genau dann hat die Zwischensaison ihren grossen Reiz. Man wird zuvorkommend bedient, der Patron hat Zeit einem in die Geschichte des Hotels zu erzählen, der Maschinist der Bergbahn erklärt mit Liebe und Hingabe seine Anlage und man fühlt sich Gast, ja sogar als Ehrengast und nicht als Tourist. In der Zwischensaison ist der Kunde ganz besonders König, vor allem auch deshalb, weil er dann den (Hotel-) Palast für sich alleine hat. Und für die Mäuse.

* Andreas Schwander ist Autor des Buches "Reisen zu autofreien Orten der Schweiz"

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